08. März 2017

Messianische Juden nicht ausgrenzen

ChristusBewegung Lebendige Gemeinde verabschiedet Erklärung zum Verhältnis von Christen und Juden

Korntal. Die Mitgliederversammlung der ChristusBewegung Lebendige Gemeinde hat am 6. März 2017 unter dem Leitwort „Die Wurzel trägt dich“ eine Erklärung zum Verhältnis von Christen und Juden verabschiedet. Darin bezeichnen die Verantwortlichen die „Ausgrenzung messianischer Juden, ihrer Gemeinden und Organisationen“ als „tiefe Verletzung ökumenischer Verbundenheit“. Diese Ausgrenzung sei „ein nicht hinnehmbarer Skandal“. Hintergrund der Erklärung sind die Gespräche, die auch anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 in den evangelischen Kirchen über das Verhältnis von Christen und Juden geführt werden. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte sich von Luthers Schmähungen gegenüber Juden distanziert sowie im November 2016 die biblisch klar bezeugte Treue Gottes zu seinem Volk Israel neu formuliert und über Fragen der sogenannten „Judenmission“ diskutiert. Nicht thematisiert wurden dabei die messianischen Juden, die an Jesus als Messias glauben, sich aber gleichwohl als Juden verstehen.

Bewährte Praxis in Württemberg: Kontakt auch zu messianischen Juden

Der Vorsitzende der Bewegung, Dekan Ralf Albrecht aus Nagold, hielt fest: „Im jüdisch-christlichen Dialog dürfen wir die messianischen Juden auf EKD-Ebene, aber auch bei gemeinsamen Veranstaltungen wie dem Kirchentag nicht länger einfach ausblenden oder gar ausgrenzen. In unserer württembergischen Landeskirche haben wir seit vielen Jahren die bewährte Praxis, sowohl mit den traditionellen jüdischen Gemeinden als auch mit den Gemeinden der messianischen Juden den Austausch zu pflegen und für beide einzutreten.“

Hoffnung auf Umdenken im Raum der EKD und beim Kirchentag

Steffen Kern aus Walddorfhäslach unterstrich als stellvertretender Vorsitzender der ChristusBewegung und Mitglied der EKD-Synode die Bedeutung der Erklärung in der aktuellen Debatte innerhalb der EKD: „Diese Erklärung des Pietismus bietet eine notwendige und wichtige Ergänzung der EKD-Erklärung vom November 2016. Ich bin dankbar, dass die ChristusBewegung sich mit dem Thema befasst und ein deutliches Votum für die Anerkennung messianischer Juden formuliert hat. Und ich hoffe, dass gerade dieses im Raum der EKD und des Kirchentages Gehör und Beachtung findet, und was das Verhältnis zu messianischen Juden angeht, zu einem Umdenken führt.“

Steeb: „Messianische Juden sind unsere Schwestern und Brüder.“

Zu den Mitgliedern der ChristusBewegung gehört auch Hartmut Steeb aus Stuttgart, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. Er begrüßt die Stellungnahme ausdrücklich: „Ich freue mich über die Erklärung der ChristusBewegung die mitten in mancherlei Verirrungen und Verwirrungen deutlich macht: Christen achten die Geschichte Gottes mit den Juden in ihrer Einzigartigkeit. Christen stehen an der Seite Israels. Christen freuen sich über die Juden, die Jesus Christus als ihren Messias erkennen. Messianische Juden sind deshalb unsere Schwestern und Brüder.“

Die ChristusBewegung Lebendige Gemeinde ist seit über 60 Jahren ein breites Netzwerk innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, zu dem sich Personen aus Kirchengemeinden, Jugend- und Gemeinschaftsverbänden, Missionswerken und freien Initiativen zählen. Die Wurzeln der Bewegung liegen im Pietismus und der Erweckungsbewegung. Gemeinsam veranstaltet das Netzwerk den Christustag und gehört zu den Trägern der Jugendkonferenz für Weltmission. Regionale Arbeitskreise veranstalten regelmäßig Vortragsabende zu christlichen Themen in den Dekanaten der Landeskirche. Das kostenlose Magazin „Lebendige Gemeinde“ erreicht viermal pro Jahr über 22.000 Personen und Einrichtungen in Baden-Württemberg und gehört damit zu den auflagenstärksten christlichen Zeitschriften in Deutschland. Die ChristusBewegung unterstützt den synodalen Gesprächskreis Lebendige Gemeinde, zu dem sich 43 der 98 Synodalen zählen.