„Wer mir dient, muss mir auf meinem Weg folgen.“
Joh 12,26 BasisBibel.de

25. Mai 2017

Mit Jesus neu sehen lernen

3.000 Besucher beim Christustag auf dem Kirchentag in Berlin

Berlin. Rund 3.000 Besucher nahmen am Donnerstag am Christustag auf dem Kirchentag in Berlin teil. Als Redner waren Innenminister Thomas de Maizière, Christoph Waffenschmidt vom Kinderhilfswerk „world vision“ und weitere Gäste geladen. Der Christustag stand unter dem Motto „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – in bewusster Anlehnung an das Kirchentagsmotto „Du siehst mich“. Innenminister Thomas de Maizière, der berichtete, welche Rolle der Glaube in seinem Leben spielt. Dabei habe für ihn auch geistliche Musik eine große Bedeutung: „Eine h-Moll-Messe ist für mich ein religiöseres Erlebnis als eine schlechte Predigt“, so de Maizière. Die aus der Karibik stammende Musikerin Judy Bailey setzte am Christustag mit ihrer Band ebenso eindrucksvolle und bewegende Impulse wie die Berliner Sängerin Sarah Kaiser mit Neufassungen klassischer Kirchenlieder sowie Titeln aus ihrem aktuellen Reformationsalbum.

Der Christustag auf dem Kirchentag in Berlin wurde von der ChristusBewegung Lebendige Gemeinde gemeinsam mit verschiedenen Partner veranstaltet. Dazu gehören die Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, der CVJM Deutschland, der Deutsche EC-Verband, die Deutsche Evangelische Allianz, der Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband, die Geistliche Gemeinde-Erneuerung Deutschland, die Initiative „Gemeinsam für Berlin“, der Gemeinschafts Diakonie Verband Berlin, das Gemeinschaftswerk Berlin-Brandenburg und Micha Deutschland. 2015 gab es erstmals eine Kooperation zwischen dem pietistisch geprägten Christustag und dem Kirchentag. 

Beim anschließenden Empfang unterstrich die Generalsekretärin des Kirchentags Ellen Ueberschär, wie sehr dem Kirchentag daran gelegen sei, diese Kooperation fortzuführen. Michael Diener als Vorsitzender des Gnadauer Gemeinschaftsverbands und Mitglied des Rats der EKD unterstrich, dass Christustag und Kirchentag voneinander lernen könnten. Dennoch sei das eigene Format des Christustags auf dem Kirchentag auch ein Signal für immer noch bestehende Differenzen. Er wünsche sich persönlich vor allem ein Umdenken im Blick auf die Haltung des Kirchentags-Präsidiums gegenüber messianische Juden, deren Organisationen bislang vom Kirchentag ausgeschlossen seien. Die EKD habe in ihrer letzten Erklärung beides festgehalten: das Nein zur Judenmission ebenso wie das Ja zum Christus-Zeugnis, das die bleibende Erwählung Israels nicht in Frage stelle.

Bei den Christustagen in Baden-Württemberg sind messianische Juden regelmäßig als Referenten zu Gast und auch in Berlin war mit Aaron Lewin von der Organisation „Juden für Jesus“ ein Vertreter von messianische Juden im Programm beteiligt.

BibelLive – Bibelarbeit im neuen Format

Anstelle einer klassischen Bibelarbeit boten die Veranstalter das Format „BibelLive“ an. Dieter Braun vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg und Karsten Hüttmann vom CVJM Deutschland haben dieses Format bereits beim Christival erprobt. Anstelle eines Vortrags wurden dabei die Besucher aufgefordert, sich untereinander über den Text auszutauschen und dann in einer sogenannten „Nachhak- und Ausquetschrunde“ Fragen zu stellen, die von Karsten Hüttmann sowie Andreas Müller vom Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) beantwortet wurden. Sabine Zöllner von der Evangelischen Kirchengemeinde Burgstädt fasste am Ende eigene Beobachtungen zusammen. Als Text hatten die Veranstalter den Text über den Zöllner Zachäus ausgewählt, der Jesus gerne sehen wollte.

Glaube, der Not wahrnimmt

In der zweiten Einheit hatten die Veranstalter Gäste aus unterschiedlichen Kontexten zum Gespräch über ihren Glauben geladen. Moderiert von Stefanie Linner aus Berlin vom Verein Micha Deutschland sowie von Ralf Albrecht, Dekan in Nagold und Vorsitzender der ChristusBewegung Lebendige Gemeinde, berichteten die Gäste, welche Rolle der Glaube an Jesus Christus in ihrem Leben spielt. So berichtete Sahar Baghestani, wie sie aus dem Iran nach Deutschland geflohen war und welche Schwierigkeiten sie mit ihrer Familie hatte, als sie begann, ihren muslimischen Glauben in Frage zu stellen und sich stattdessen für das Christentum zu interessieren begann.

 Eine weitere Referentin hatte die Veranstalter gebeten, aufgrund möglicher Repressionen durch den Islamischen Staat auf die öffentliche Nennung ihres Namens zu verzichten. Bei einem Besuch in der Türkei hatte sie festgestellt, dass viele der Flüchtlingskinder keinerlei Schulbildung hatten. Daraufhin gründete sie in der Türkei eine Schule für Flüchtlingskinder. Trotz der Gefahr in der Krisenregion gibt ihr der christliche Glaube Mut, sich für die Kinder einzusetzen. Auch Christoph Waffenschmidt vom Kinderhilfswerk world vision unterstrich, wie notwendig gerade solch eine Hilfe sei. Sie könne eben nicht nur vom Schreibtisch aus geschehen, sondern erfordere den Einsatz und die Begegnung vor Ort. Auch Gerhard Wiebe von der EC-Indienhilfe ermutigte die Besucher dazu, die Not anderer wahrzunehmen und ihr aktiv entgegenzutreten.

Daniel Böcking: „Ich habe mich durch den Glauben verändert.“

Erfahrungen mit verschiedenen Notsituationen führten im Jahr 2010 beim BILD-Journalisten Daniel Böcking zu einem Umdenken. Das Erdbeben in Haiti, die Katastrophe bei der Love-Parade in Duisburg und das Grubenunglück in Haiti führten ihn in Begegnungen mit Menschen, die solchen Situationen aus einem festen Glauben heraus begegneten. Ihre Haltung hatte ihn so beeindruckt, dass er anfing, über den christlichen Glauben zu recherchieren. Dabei erlebte er selbst eine Veränderung und bekennt sich heute öffentlich zu seinem Glauben. Ein Kommentar in der Bild-Zeitung nach dem Terroranschlag in Berlin machte den Glauben des Journalisten bundesweit bekannt. Auf dem Christustag erntete der Journalist großen Applaus dafür, wie offen und gewinnend er über seinen Glauben reden kann.

Christustag als „Doppel-Schlusspunkt“ der Initiative „Zeit zum Aufstehen“

Der Berliner Christustag endete mit einem Gebetskonzert, das Ralf Albrecht als „Doppel-Schlusspunkt“ der Initiative „Zeit zum Aufstehen“ bezeichnete. Die Initiative war im Vorfeld des bundesweiten Christustags 2014 von zwölf leitenden geistlichen Personen ins Leben gerufen worden. Sie veröffentlichten damals gemeinsam sieben Thesen zur Erneuerung der evangelischen Kirche und war bis 2017 angelegt. Das Gebetskonzert stellte diese sieben Thesen in den Mittelpunkt. Albrecht forderte die Besucher des Christustags dazu auf, auch nach dem Abschluss der Initiative weiter im ständigen Hören auf Jesus Christus und im Gebet um die Erneuerung der evangelischen Kirche und des eigenen Glaubens zu ringen.

Zur Bildergalerie